Die letzten Tage

Ein Leben ohne Internet scheint für mich doch noch möglich zu sein. Es mag natürlich daran liegen, dass ich abends meistens so platt bin, dass es nur noch zum Duschen, Wäsche waschen und Essen reicht. Viel Verlangen nach mehr war da bislang nicht. Die B&;B’s haben zwar WLAN, aber eine schlechte Verbindung.
Also müsst Ihr halt auf neue Informationen warten, falls Ihr mich nicht über den Link auf meiner Website stalkt:-)

In Builth Wells war ich so fertig, wie nie in meinem Leben. Ich habe mich gerade noch zu einem Inder geschleppt, ein Curry reingewürgt, obwohl der Magen nicht essen wollte, der Körper aber nach Nahrung schrie. Ein Bier hat auch noch gepasst, aber dann war mir schlecht.
Mittlerweile haben sich der Magen und der Rest von mir irgendwie arrangiert. Zum Frühstück full english breakfast, zwischendurch eine Cola oder heise Schokolade. Oder beides. Mittags Sandwich oder Pommes mit Cola. Nachmittags Sandwich, zwischendurch ein Schokoriegel. Eventuell ein oder zwei Energie Gels. Ein bis zwei Liter Wasser, eine Dose Red Bull. Zum Abendessen alles was geht auf die Gabel.

Vorgestern: Builth Wells nach Talsarnau. Der zweite Tag in Wales. Die Schuhe noch pitschnass. Am Tag vorher musste ich durch eine überflutete Unterführung eines Radweges fahren.
Radwander- und Nebenwege habe ich in den letzten drei Tagen gemieden. Die führen zwar durch landschaftlich reizvollere Gegenden, als die Hauptstrassen, sind aber oft in einem noch schlechteren Zustand als A und B Strassen. Steiler sind sie auch, wie die Erfahrung immer wieder zeigt.
Auch ohne Radwege war Wales Part II ausserordentlich schön. Nach 50 Km erreichte ich die Küste bei Aberystwyth. Mehr oder weniger konnte ich den Rest des Tages im Sonnenschein den geschwungenen Küstenstrassen folgen. Das B&B lag ewas abseits, aber traumhaft schön. Zum einzigen Restaurant musste ich abends noch knapp 2 KM radeln.

Den gestrigen Abschnitt hoch in den walisischen Norden und dann der Küstenlinie entlang bis Liverpool hatte ich noch als schön erwartet. Zumindest bis Flint. Ab hier hatte ich schon während der Planungsphase Industriegebiete vor Augen.
Der Tag begann mit einem 13 KM langen Umweg, weil eine Brücke wegen Bauarbeiten geschlossen war. Ab Porthmadoc verliess ich die Küste und fuhr über Caernarfon hoch nach Bangor. Relativ viel Verkehr und wenig zu sehen. Ab Bangor nahm das Chaos seinen Lauf. Ich fuhr zunächst auf der stark befahrenen A55 bis Conwy. Das kam mir alles ziemlich bedrohlich vor. Stellt Euch eine vierspurige Autobahn vor mit dem Verkehr auf der A30. Nur, dass das Standstreifen nur 1 Meter breit ist. Vorteil: Der Sog der vielen Lkw, die aus Irland über Holyhead zurück kommen, zieht Dich mit.
Von hier aus konnte ich recht lange mit kaltem, aber guten Rückenwind einem Radweg direkt am Strand folgen.Über Rhyl ging das so bis hinter Prestatyn.
Die Industriegebiete, der Lärm und Dreck begann tatsächlich im Raum Flint und sollte mich bis Donnerstag Mittag nicht mehr loslassen.
Der Weg nach Liverpool hinein war geprägt von hektischem Großstadtverkehr.
Von Birkenhead sind das kleine Schwarze und ich dann mit der Fähre über den River Mersey nach Liverpool gefahren.
Ich weiß nicht, was mich geritten hat, dieses Hotel zu buchen. Eine Absteige, die Ihren Namen nicht verdient hat. Kein Restaurant in der Nähe, kein “local beer” und zu allem Überfluss kein Frühstück am nächsten Morgen. Einziger Vorteil: In der Kammer stand eine Elektroheizung, mit der ich meine Schuhe endlich trocknen konnte.

Der 6. Tag.
Kalt, regnerisch und stürmisch. Kein Frühstück und der Garmin weigerte sich beharrlich die Strecke auszurechnen. Schon früh um acht folgte ich dann mehr der Nase Richtung Norden. Liverpool quer durch über Bootle nach Formby. Hier hatte ein TESCO Restaurant geöffnet, in dem ich mich aufwärmen und essen konnte.
Die Gegend über Southport nach Preston war platt. Vergleichbar mit Friesland. Trotzdem der Garmin mittlerweile eingelenkt hatte, habe ich mit in Preston total verfahren und einen Umweg von bestimmt 15 KM gefahren. Ich habe dann entschieden, komplett der A6 zu folgen. Das war eine gute Sache. Der Verkehr hielt sich in Grenzen und über lange Strecken gab es Fahrradspuren oder -wege.
Ab Lancaster wurden nicht nicht nur die Landschaft sondern auch die Frauen schöner 🙂 
Die Regenwolken verzogen sich sich auf den letzten 30 Kilometern nach Windermere.
Mein B&B hier ist zwar alt aber sauber und warm. Der Besitzer hat eine ähnliche Tour von Nord nach Süd vor 12 Jahren gefahren, und hat noch vor dem einchecken bzw. duschen seine Unterlagen herausgekramt und mir seine Strecke erklärt.

Abendessen im Pub und die Welt ist wieder in Ordnung

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.