IRONMAN Regensburg – Raceday!

Lutz sagt: “Es war ein gebrauchter Tag” – der Tag meines 6. IRONMANs. Immerhin wollte ich nur eines dieser Dinger machen  😉

Nun stand ich also um kurz nach 5 Uhr in der Frühe verschlafen an der Bushaltestelle, nachdem mich der Wecker zunächst vergeblich im 3:45 aus den Federn schmeißen sollte/wollte. Immer mit der Ruhe…
Da war kein Adrenalin im Blut.

Der geplante Bus um 5:15h fuhr ohne mich ab – zu voll. Direkt darauf rollte der Nächste in die Haltestelle, machte aber keine Anstalten, vor 5:45h loszufahren. So wurde es zeitmässig etwas eng, als wir gegen 6:15 am “Guggi” eintrafen. Zum Glück hatte ich mein Rad so weit vorbereitet, dass ich weder Luft nachpumpen noch Gels am Rad befestigen musste. Lediglich die Trinkflaschen musste ich anbringen bzw. auffüllen.
Danach wurde es schon Zeit, in den Neo zu steigen, da wir die Wechselzone um 6:30 h verlassen sollten. Das hintere mich daran, wie eigentlich gewohnt, die angespannte Ruhe in mich aufzunehmen. Meine Art der Meditation eben. Auch den Weg vom Wasserausstieg bis zum Rad konnte ich nicht mehr abgehen, was im Nachhinein aber kein Hindernis darstellte.
Nachdem ich mich entschieden hatte, nicht im Wechselzelt, sondern direkt am Rad zu wechseln, musste ich nur noch meinen “After-Race-Beutel” abgeben, dann ging es in hinunter in den Startbereich am See.
Vom Einschwimmen halte ich ja nicht besonders viel – so ging ich nur kurz ins 22,8 Grad warme Wasser, um den Anzug zu fluten.
Mittlerweile ging die Sonne am gegenüberliegenden Ufer auf. Ich reihte mich weit hinten, auf der linken Seite des Starterfeldes an. 
07:00 Uhr: Landstart. 2.200 Starter rennen mehr oder weniger gleichzeitig auf 90 Metern Breite ins Wasser. Christine, die am Ufer stand, sagt: “Wie ein Sack voll Erbsen, die ins Wasser rollen”.
Das Wasser kocht. Körperkontakte, auch heftige, sind unausweichlich. Das geht so bis weit nach der Hälfte des 3,8 KM-Schwimmkurses, der als Novum keinen Landausstieg beinhaltet. Die Orientierung ist schwer möglich, häufig schwimme ich “einfach” anderen Athleten hinterher – nicht immer die beste Entscheidung. Nur kurzzeitig ist mir ein freies Schwimmen möglich. Erst auf der letzen Geraden schwimme ich ganz weit außen, ohne jeglichen Kontakt zu andern Schwimmen, dafür mit Sichtkontakt zum Schwimmausstieg. Auf diesen gefühlten 20 Minuten habe ich vermutlich einiges an Boden gut machen können. Nur so ist meine recht gute Schwimmzeit von 1:09:20h (Platz 656) zu erklären. Ich habe mehrmals auf die Uhr gehen – konnte es nicht glauben. Gefühlt habe ich 2-300 Meter mehr geschwommen…

T-1 Der erste Wechsel:
Was soll ich sagen: Mein Rad habe ich in der markierungslosen Wechselzone auf Anhieb gefunden. Dier Ausstieg aus dem Neoprenanzug verursachte die üblichen Krampfanfälle in den Waden, kosten aber nur wenig Zeit. Die habe ich dann mich dem Richten der Socken ;-)) vergeudet. Und: mit dem Stoppen und Starten der Pulsuhr unmittelbar nach dem Loslaufen mit dem Rad. Aber das ist eine andere und eher für Technikverliebte Geschichte… Nach den geplanten 5 Minuten (genau 4:58) saß ich als 813. auf dem Rad.

Bike:
Zum Glück bin ich am Donnerstag die geführte Radrunde mitgefahren. So ließ ich es ruhig angehen. Die ersten 10 KM sind flach, danach geht es gut 20 KM bergauf – mit einer Abfahrt zwischendurch. Wohl gemerkt: die Runde ich zweimal zu durchfahren. Hier haben viele überzogen und hatten auf der zweiten Runde ziemlich zum kämpfen. Die Temperatur um 8:45h: 20°C in der Sonne
Wie ging’s mir? Bescheiden! Nur selten habe ich mich auf den ersten 45KM so unkomfortabel auf dem Rad gefühlt, wie heute. Schmerzen in den Oberschenkeln von Anfang an, wenig Motivation und wenig Druck auf den Pedalen zeichneten das erste Viertel der Radstrecke aus. Dann wurde es besser und ich wurde wieder zuversichtlicher.
Nach 2:25:41 Stunden hatte ich die ersten 80 Kilometer hinter mir und passierte zum ersten Mal an Position 577 liegend, die Wechselzone am See. Wunderbar. Die Temperatur stieg, meine Laune auch. Die Beine drehten rund. Auch die nun wieder kommenden Anstiege bereiteten mir eher Freunde als leid. Von anderen Athleten wurde mir zweimal hinterhergerufen, woher ich die Kraft noch nehmen würde. Kaum ein Problem für mich und durchaus nicht überzogen.
Auf der fast 30 KM langen Gegenwindpassage hatte ich dann aber doch mehr zu kämpfen. Ich merkte, wie sich Unlust breit machte und mir auch die Getränke nicht mehr schmeckten, bzw. ich mich zum Essen und Trinken zwingen musste. Kein gutes Zeichen.
Gegen Mittag zeigte das Thermometer Temperaturen in der Sonne zwischen 28 und 31°C an. Die letzten 20 Kilometer zogen sich endlos lang hin. 3:01:09h benötigte ich für die 100 KM (Platz 423)  – das brachte mich als 471. in 5:26:50h in die zweite Wechselzone auf dem Regensburger Dultplatz.

Im Gegensatz zum IRONMAN in Frankfurt werden den Athleten hier die Räder nicht abgenommen, man muss sie selbst in die Radständer hängen (Platz ungefähr merken für die Abholung). Erst dann werden die Wechselbeutel aufgenommen. Ich hatte Glück, dass wenig los war in der Wechselzone und bekam meinen angereicht. Vorstellbar, dass in der Hochzeit sich die Athleten die Beutel selbst von den Ständern suchen müssen. Aber auch das sollte kein Problem sein. Statt der geplanten 2 Minuten benötigte ich 3:05 min (335 “schnellste” Wechselzeit). Die eine Minute ist dem Aufhängen des Rades geschuldet.

Run:
Nach 6:44:13 Stunden Rennzeit ging sich auf die Marathonstrecke. Knapp 16 Minuten vor der Planzeit.
Ich fühlte mich miserabel. Der Kopf war leer, die Energiespeicher auch schon etwas länger. Kopfschmerzen hatte ich schon auf dem Rad bekommen. Ich konnte und kann mir (noch) nicht erklären, woran das lag. 
Der erste Teil (ca. 3,5 KM) der etwas über 10 Kilometer langen Laufrunde führt durch die Regensburger Innenstadt – die zu diesem Zeitpunkt glühend heiß war. Im Gegensatz zu der Radstrecke säumten hier Tausende interessierter und zufälliger Zuschauer die Strecke durch die Stadt und den angrenzenden Westpark, zurück an der Donau entlang bis zur Wechselzone. Die ersten 4 KM waren eine wirklich Qual. Ich hatte massive Zweifel dieses Unternehmen zu beenden zu können. An jeder Verpflegungsstation goss ich mir kühles Wasser über den Kopf und trank ausgiebig. Wasser, Iso und auch Cola. Das Konzept hatte schon in Frankfurt vor vier Wochen gut funktioniert.
Christine sah ich auf dieser Runde leider nicht.
Nach KM 4 kam ich ein wenig in den Tritt, im Schatten der Bäume am Donauufer fühlte ich mich wohler. 56:02 Minuten benötigte ich für die erste Laufrunde.
Bei KM 11,5 traf ich Christine, die mir wieder ein kühles Mineralwasser mit Kohlensäure reichte. Das brachte mich ein gutes Stück weiter. 
Im Park gingen dann aber die Lichter allmählich aus. Die zugeführte Energie wurde von Magen/Darm nicht mehr verarbeitet und stand dem Körper nicht mehr zur Verfügung. Das Anlaufen nach den Verpflegungsstellen wurde zur Qual, die innere Hitze wurde unerträglich. Wie Fieber. Zum Ende der zwiten Runde 1:02:40h beschloss ich zum allerersten Mal in meiner “Sportlerkarriere” ein Rennen aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben!

Ich traf Christine wieder 1,5 KM nach der Runde und besprach das so mit Ihr. Ich hätte heulen können und wollen. Eine emotional sehr schwere Entscheidung für mich.

Also ging ich duschen. Der einzige Vorteil: Sie waren noch recht leer um diese Zeit. Nach 8:47:07h Rennzeit wurde ich noch bewundernd von den Helfern angesehen ;-))

Ich war aber wohl in relativ guter Gesellschaft. Alleine unter den vielleicht 8 Nutzern der Dusche waren mit mir 3 Aussteiger… Die Hitze, das Kreuz…

Über eine genaue Analyse des Warums muß ich mir noch Gedanken machen. Es war wohl die richtige Entscheidung – besonders im Hinblick darauf, dass ich mit dem 24-H-Rennen auf dem Nürburgring und der Transalp noch einige körperliche Anstrengungen in diesem Jahr vor habe.


Nachdem ich geduscht hatte, mussten wir noch im Schatten 1 Stunde warten, bis der Bikepark zum Checkout geöffnet wurde. Ich lag derweil auf einer Wiese und führte Cola und Wasser nach. Dennoch wäre mir die Zeit fast zum Verhängnis geworden. Ich war kurz vor dem Kollabieren. Als der Magen seine Tätigkeit wieder aufnahm, ging der Blutdruck schlagartig in den Keller, mir wurde noch übler als zuvor, kalter Schweiß brach aus. Nach 2 oder 3 Minuten in der stabilen Seitenlage war der Spuk vorbei.
Ich konnte mein Rad alleine in der Hitze abholen und der Gedanke an irgendein Essen oder Trinken war ein Guter.

Ein Kommentar

  1. Regenaration heißt das Zauberwort.
    Weniger ist mehr. Ich hätte die beiden Kurzdistanzen weggelassen.
    Das war doch wohl ein Hammerprogramm. Ansonsten gute Erholung.

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