Tag 4: Islay. Das Klagen der Lämmer

Auf dem Campingplatz wurde es recht früh recht frisch, was mich recht früh in meinen Wigwam trieb.

Ein längerer Aufenthalt im Bistro stand nicht zur Debatte. Ein Pint Bier für 4,80 Pfund war schon ziemlich viel. Der kühle Wind hielt zumimdest die Midges weitgehend fern.

Die Nacht war dann alles andere als ruhig. Während es gegen 2 Uhr früh leise anfing zu regnen, kamen die letzten Nachbarn bis 3 Uhr mit Autos und Fahrrädern zurück um dann offenbar in einen tiefen Schlaf zu fallen. Begleitet von lautem Schnarchen.

Der Morgen: wie gehabt trüb mit etwas Nieselregen ab und an. Ich hatte es nicht eilig. Eine Runde über die Insel mit dem Finale auf Kintra Farm hatte ich mir in mein Roadbook geschrieben. Vorher aber stand eine 30 Kilometer lange Reise in und durch die Einsamkeit, die unmittelbar hinter dem Campingplatz beginnt, auf dem Programm. Aus der zweispurigen Straße wird eine etwas unebene single track road in das 10 Kilometer entfernte Portnalong. Der Regen hatte zwischenzeitlich aufgehört und ich blieb ständig stehen, um Fotos zu machen und um die Stille zu hören. Schafsweiden, ein paar Büsche und Bäume, etwas Küstenlinie.

Nach fast 50 Minuten reiner Fahrzeit habe ich das verschlafene Nest am Ende der Insel erreicht. 130 Menschen sollen in diesem Ort bewohnen – gesehen habe ich einen.

Eine Kirche ein paar Häuser um einen klitzekleinen Hafen. Das war es. Kein Laden. Nicht einmal einen Pub oder einen Golfplatz 😉 hat Portnalong zu bieten.

Portnalong

Die Reiseleitung hatte beschlossen, die Strecke nun über eine noch etwas schmalere Straße zu führen. Alternativ hätte ich auch dieselbe Straße zurück nehmen können.

Die Nutzung dieser kleinen Wirtschaftswege hat immer so ihre Tücken. Landschaftlich reizvoll aber sportlich herausfordernd. So auch diese. Aus den vorher moderaten Anstiegen wurden wieder unzählige Rampen mit hinzu 14%, die das Tempo ziemlich drosselten.

Allerdings: hinter fast jeder Kurve lauerte eine neue tolle Aussicht. Highlands en Miniature. Muss ich da überhaupt noch hin???

F

Freilaufende Schafe lümmelten sich am Wegesrand und auch gerne mal auf dem Asphalt. Die Älteren glotzten zumeist nur, während die Lämmer laut blökend davonrannten und Schutz bei ihrer Mutter suchten.

Die Geräuschkulisse: Hörbare Stille. Unterbrochen vom Blöken der Schafe und dem Gezwitscher von Vögeln.

Vorbei an einer verfallenen Kapelle. Ein paar Hügel noch hoch und runter – schon stand ich wieder in Bruichladdich, 4 Kilometer vom dem Campingplatz entfernt, von dem ich heute früh losgestrampelt bin. Das hätte ich auch einfacher haben können 😂

Nach einem kurzen Frühstücksstopp segelte ich nn auf relativ flachem Terrain über Bridgend nach Bowmore, wo ich mich in einem CO-OP mit Lebensmitteln für den Abend eindecken konnte.

Die restlichen 15 Kilometer in Richtung Port Ellen führen mich schnurgerade durch Moore mit Torfabbau und vorbei am Ilsay Airport, an dem tatsächlich Flugbetrieb stattfindet.

Torfabbau

Bowmore Distillery

Bowmore Town

Keine Schafe oder andere Weidetiere weit und breit.

Der Traum begann 5 Kilometer weiter, zurück in der Einsamkeit. Kintra Farm.

In nun strahlendem Sonnenschein geladen war sowohl die Farm als auch der unmittelbar daran anschließende gold-gelbe Sandstrand schon von den letzten Hügeln aus zu erkennen.

Kintra Farm

Auf dem Parkplatz davor wartete bereits ein iranisch-englisches Paar mit ihrem Camper darauf einchecken zu können.

Aus verschiedensten Berichten weiss ich, das die Betreiberin Eigenmächtigkeit nicht liebt und dann sehr harsch werden kann. Also warteten wir geduldig eine Dreiviertelstunde, bis Landlady Margret Anne zur Audienz bat und uns die Spielregeln bei freier Standortwahl erklärte. Es gibt jede Menge Hinweise darauf, wie man sich zu verhalten hat, was zu tun und was gefälligst zu unterlassen ist. Etwas rüde und unfreundlich formuliert zwar, aber das wird durchaus gute Gründe haben.

Margret war zwar etwas tüddelig, sie ist ja nicht mehr die Jüngste, aber freundlich. Sie erklärte sich bereit, für mich die Waschmaschine anzuschmeißen, obwohl am Sonntag niemand ihrer Angestellten, die das wohl für Gewöhnlich erledigen, vor Ort ist. Gegen gutes Geld natürlich. 4,50 für die Maschine und 1 Pfund für das Waschmittel….

Der Platz: Ein Traum. Gerade und besonders bei dem Wetter. Es war genau so, wie ich es mir erhofft hatte und das Gegenteil von dem was mich abgehalten hatte, hier zwei Nächte zu verbringen. Strand, fast so weit, wie das Auge reicht. Menschen fast gar keine, von den wenigen Campern einmal abgesehen.

Die Sonne wollte partout nicht untergehen. Als sie es dann doch nach 22 Uhr tat, hatte ich nicht nur ausgiebig Kalorien nachgefüllt, sondern auch eine gefühlte Million Fotos gemacht.

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