11. Etappe Fort Augustus – Crask Inn

Nach einer erneut guten aber unruhigen Nacht habe ich beim Frühstück noch kurz zwei Radler getroffen, die heute Nacht ebenfalls im Crask Inn übernachten.

Loch Ness lag zum Teil im Sonnenschein, teilweise im Nebel oder tiefen Wolken. Kaum eine Welle auf dem menschenleeren See. Ich frage mich ohnehin seit Tagen, warum man keine oder kaum Segel- oder Motorboote nicht kommerzieller Art auf den Seen in England sieht. Auffällig im Gegensatz zu unseren Gegenden ist auch, dass Seen und schöne Flußufer nicht bebaut sind. Frei zugänglich sind sie aber oft auch nicht, weil Ufer und Strasse oft durch Drahtzäune getrennt sind.

Gute dreißig Kilometer folgte ich dem Loch Ness am linken Ufer bis Drumnadrochit um hier auf die A833 nach Beauly abzubiegen. Direkt nach dem Abzweig ereilte mich ein unglaublich steiler Anstieg von einer 3/4 Meile, der alles forderte. Hügelig, aber keinesfalls flach ging es durch eine veränderte Vegetation weiter nach Beauly. Anstatt sattem grün und blühenden Rhododendronbüschen herrschten jetzt karge Heidelandschaft und ebenfalls knallgelb blühende Ginster vor.

Der Strasse war gut fahrbar, aber trotzdem schrie das kleine Schwarze kur nach der Ortsausfahrt von Beauly jämmerlich um Hilfe. Platten. Hinten natürlich – wo sonst?
23 Minuten dauerte die Reparatur mit allem Ab- und wieder aufrödeln.

An Connon Bridge und Dingwall vorbei fuhr ich später ein paar Kilometer auf der hektisch befahrenen A9. Allerdings nur bis nach Alness. Der Weg führte mich ab hier über die B8176. Die 30 Kilometer durch dünn besiedeltes Gebiet bis hin nach Bonar Bridge waren ein gefühlt endloser Anstieg in wunderbarer Natur. Kurz vor der Abfahrt nach Bonar Bridge konnte ich noch tolle Ausblicke auf den unter mir liegenden Donoch Firth, der hier in die Nordsee mündet, geniesen.

In Bonar Bridge hatte ich Gelegenheit, in einem Bikeshop meinen Reifen wieder den nötigen Druck zu verpassen, was mit der Handpumpe nicht so ganz möglich ist.
Es folgten 12 kalte Meilen auf der A836 bis Lairg wo ich noch kurz eine Dose Cola nachtankte. Das war gut so, denn jetzt bekam ich auf den letzten 20 Kilometer nicht nur die tägliche kalte Dusche.

Als zusätzliches Handicap zu nachlassender Energie war das Stück auf der jetzt einspurigen A836 permanent leicht ansteigend und im Gegenwind zu fahren.


Crask besteht aus zwei Häusern. Eines davon ist das Crask Inn. Es wird von einer Familie bewirtschaftet. Wieder erwarten kamen im Laufe des Abends recht viele Gäste um entweder kurz Rast zumachen oder um ein vorgebuchtes Essen einzunehmen.
Für uns Radler wurde ein runder Tisch im Schankraum eingedeckt. Neben mir waren noch die beiden hier, die bereits im selben B & B wie ich in For Augustus waren sowie ein Pärchen, dass heute früh in John O’Groats gestartet und in der Gegenrichtung unterwegs waren. Interessanter weise kamen alle vier aus Bristol und Umgebung. Genug Gelegenheit zum fachsimpeln also, besonders auch, weil sich das Esen und trinken bis 23:30h hinzog.
Fasanensuppe, Wildgoulasch, Kartoffeln und Gemüse, Kuchen mit Vanilleeis. Alles von Muttern selbst gekocht. Der Vater kannte die Tiere beim Namen. Zumindest wusste er noch, wann er sie in die ewigen Jagdgründe befördert hat.

Am Mitwoch setze ich also zum finalen Sprung nach “JOG” an. Mit dem Umweg über Dunnet Head sind es noch gute 155 Kilometer bis dahin.

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