13. Etappe John O’Groats – Tain

Erst zum zweiten Mal auf der Reise habe ich so richtig gut geschlafen. Gordon, der Herbergsvater hat alles gegeben, um und Radlern das Leben so angenehm, wie möglich zu machen. Mit mir hatten sich noch zwei andere dort eingebucht. Einer hat, wie ich, LEJOG beendet, der zweite startete gerade. Vor zwanzig Jahren hat e das bereits einmal getan, allerdings mit 20 KG weniger um den Bauch herum. Das B & B “Hamnavoe” ist gemütlich und sauber im skandinavischen Stil eingerichtet. Der Name kommt aus dem norwegischen und bedeutet so viel wie “stiller Hafen”. Gordon wusch und trocknete nicht nur meine Wäsche sondern brachte mich auch zum “Seaview Hotel” zum Essen und holte mich dort wieder ab. Den einen Kollegen brachte er heute nach einen gemeinsamen, guten Frühstück in seinem kleinen, alten Corsa zum Flughafen nach Wick.

Für mich hieß es nun wieder: weiterstrampeln. Auf der A99, später A9 Richtung Adria. Zunächst war es noch angenehm warm mit 13 Grad, ab und an kamen ein paar Sonnenstrahlen durch. Der Blick nach vorne und nach rechts bestätigte die Wettervorhersage von heute früh im Fernsehen. “In Schottland wird es nass”
Kalt wurde es auf jeden Fall, aber der starke Gegenwind tat alles, damit der Körper nicht zu sehr auskühlen konnte. Wick nach 25 Kilometern,Dunbeath nach 60.

Wie ihr beim Lesen merkt, gab es heute nicht viel aufregendes zu sehen. Obwohl die nicht gerade einsame Strasse fast immer der Küste folgte. Für den heutigen Abschnitt hatte ich mir noch einige spektakuläre Ausblicke auf die Küste erwartet. Statt dessen zumeist Ackerland und Weiden, Höfe in armseelig anmutendem Zustand. Ich vermute, ein Grossteil der hier lebenden Menschen hat es schwer.

Einziger Aussichtspunkte: ein paar Ölplattformen in weiter Ferne und später Dunrobin Castle, das ganz schön aussah. Da ich zu dem Zeitpunkte aber mit mir selbst zu kämpfen hatte, bin ich ohne anzuhalten weiter gefahren.

In Berriedale hatte die ohne sehr hügelige Strasse mit vielen kürzeren 8-10% Anstiegen bzw Abfahrten eine kurzer aber sehr steile 18%-Abfahrt ein einer Haarnadelkurve, um dann ebenso Steil, aber insgesamt fast zwei Kilometer wieder in die Höhe zu gehen.

Bei aufkommendem Regen war mir nach keiner Pause zu mute. Nur kurz habe ich das am Vorabend gekaufte Sandwich mit etwas Wasser verdrückt.

Kurz danach ereilte mich der zweite Platten. Natürlich wieder hinten. Ein kantiger Stein auf dem Seitenstreifen war mir zum Verhängnis geworden. Das Vorderrad konnte ich noch vorbei bringen, das Hinterrad eben nicht. Mit dem Gewicht kann bzw. darf ich keine zu heftigen Schlenker machen, sonst küsse ich schneller den groben Asphalt, als mir lieb sein kann. Nur 17 Minuten dauerte die Reparatur diesmal. Mehr Erfahrung muss ich auf diesem Gebiet auch nicht mehr sammeln.

Auf dem letzten Drittel wurde die Landschaft wieder etwas ansehnlicher und die Strasse flacher. Die Brücke über den Dornoch Firth ist kein Bauwerk, welches man unbedingt gesehen haben muss.
Tain hingegen ist eine kleine alte Stadt, die sehr schön anzusehen ist. Direkt vor dem Ortseingang liegt eine Note von Whisky in der Luft. Sie rührt von der hier ansässigen Glenmorangie Destillery her.
Überhaupt komme ich jetzt in das Whiskyzentrum Schottlands. Die nächsten beiden Tage verbringe ich in Dufftown, der heimlichen Whiskyhauptstadt.

Zur Feier des Tages habe ich mir nach dem Abendessen in Ermangelung eines anständigen local Ales den ersten Whisky auf dies Tour zum Nachtisch bestellt.

Cheers!

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